AHK-Interview mit Michael Kaiser vom 28. August 2007


Interview zu Unterschieden zwischen
dem deutschen und dem polnischem IT-Markt


MKC ist in der IT-Branche vor allem in Deutschland und Polen aktiv. Gibt es deutliche Unterschiede zwischen den beiden Märkten?

Das ist ganz sicher der Fall. Wenn Unternehmen nach geeigneten Computer-Systemen und Partnern für IT-Dienstleistungen suchen, stehen sie in Deutschland und in Polen vor denselben Aufgaben. Der Bedarf der modernen Unternehmen ist heute in dieser Hinsicht auch im internationalen Vergleich sehr ähnlich. Ganz anders sieht es bei der Struktur der nationalen IT-Märkte und damit auch bei den verfügbaren Angeboten an Hardware, Software und Dienstleistungen aus. Hier gibt es große Unterschiede und gerade ein Vergleich der Situation in Deutschland mit der in Polen ist dafür exemplarisch.

Welche Unterschiede sind das und welche Tipps können den Unternehmens-
leitungen in Polen und in Deutschland bei ihren Entscheidungen helfen?


Im Bereich der Beschaffung von Hardware sind nach wie vor die tendenziell höheren Preise in Polen zu nennen. Nicht nur wenn eine größere Anzahl an Geräten benötig wird, sollte man unbedingt auch Angebote von deutschen Großhändlern einholen. Es ist dabei durchaus möglich, dass nicht nur die Kosten niedriger sind, sondern auch die Lieferung schneller erfolgt.

Bei Software ist das Angebot in Deutschland wesentlich größer als in Polen. Insbesondere im Bereich der Unternehmenssoftware (sogenannten ERP-Systemen), die genau auf die Bedürfnisse einer bestimmten Branche zugeschnitten ist, gibt es dort sehr gute Produkte von Anbietern mit jahrelanger Erfahrung in ihrem Segment. Aber Vorsicht, diese Produkte werden jetzt zunehmend auch in Polen angeboten, jedoch oft ohne ausreichend für die Besonderheiten der jeweiligen Branche in Polen angepasst worden zu sein. Gerade weil es hierfür in Deutschland oft an ausreichenden Kenntnissen mangelt, ist auch die Beratung der Kunden in Polen nicht selten eher mangelhaft.

Auf dem polnischen Markt hingegen ist die Auswahl insbesondere an spezialisierten Produkten deutlich kleiner. In diesem Zusammenhang sollte bei der Auswahl also auf eine möglichst flexible Architektur des Produktes geachtet werden, die eine (weitere) Anpassung an die konkreten Anforderungen einfach und damit auch kostengünstig zulässt. Die Erfolge der Firma ComArch sind für mich ein gutes Beispiel dafür, dass die polnischen Software-Anbieter in dieser Hinsicht auf dem richtigen Weg sind.

Auch bei IT-Dienstleistungen gibt es einige Unterschiede. In Deutschland gibt es eine Vielzahl von spezialisierten und sehr erfahrenen Anbietern, welche die Kundenwünsche schnell verstehen und hochwertige Lösungen entwickeln können. Dem stehen allerdings zum Teil nicht unerhebliche Kosten gegenüber.

In Polen gibt es in diesem Bereich inzwischen auch viele Anbieter mit gut ausgebildeten und hoch motivierten Mitarbeitern. Oft sind diese Firmen aber sehr klein und die Mitarbeiter noch relativ unerfahren, insbesondere bei der Projektorganisation und Qualitätssicherung. Ein zweischneidiges Schwert sind auch die Stundensätze. Gerade weil diese noch relativ niedrig sind, gibt es eine hohe Personalfluktuation und unter Umständen auch Personalknappheit.

Damit sollte beim Kostenvergleich die resultierende niedrigere Produktivität und das höhere Risiko gerade bei "preiswerten" Anbietern unbedingt mit beachtet werden. Diese spezifischen Herausforderungen des polnischen Marktes wirken sich für den Auftraggeber aber durchaus nicht negativ aus, wenn er sich bei der Organisation seiner IT-Projekte an die international üblichen Standards hält.

Welche Chancen sehen Sie denn für polnische Software-Anbieter auf dem deutschen Markt?

Einfach nur ein typisches Produkt mit den dazugehörigen Dienstleistungen anzubieten, halte ich für nicht ausreichend, wenn polnische Software-Unternehmen auch in Deutschland Marktanteile gewinnen möchten. Preislich werden sich ihre Produkte mittelfristig kaum von anderen Anbietern in Deutschland unterscheiden können, so dass sich daraus kein wesentlicher Vorteil für potentielle Kunden ergeben kann. Der Konkurrenzkampf in diesem Markt ist hart und polnische Anbieter dürften als relative Neulinge eher noch etwas stärker zu kämpfen haben als andere.

Ich sehe aber sehr gute Chancen für polnische Software-Anbieter, wenn sie sich als Technologiepartner für polnische Unternehmen beim Gang nach Deutschland profilieren. Ebenso sehe ich ein gutes Potential für polnische Systeme bei deutschen Unternehmen, die auf Grund Ihrer internationalen Ausrichtung einen starken Partner in Polen benötigen und nicht (mehr) mit verschiedenen Systemen und Anbietern arbeiten wollen. Gerade weil viele deutsche Hersteller von branchenspezifischer Software hier nicht auf der Höhe der Zeit sind, dürften Angebote aus Polen zunehmend auf ein offenes Ohr gerade bei deutschen Mittelständlern stoßen. Mit ComArch gibt es hier bereits ein größeres polnisches Unternehmen auf dem deutschen Markt, das sicher auch als Wegbereiter für andere gesehen werden kann.

Das Gespräch mit Michael Kaiser führte Danuta Kwasek von der Deutsch-Polnischen IHK in Warschau.



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